Kritsche Anmerkungen zur "Euro-Melanom-Woche":
auch "Euro Melanoma Woche"
1) Es wird von einer "kostenlosen" Vorsorge-Untersuchung gesprochen. Es wird der Eindruck einer ehrenamtlichen ärzlichen Leistung erweckt.
Richtig ist, dass diese Leistung zu Lasten der gesetzlichen Krankenkassen abgerechnet wird. Privatversicherte sollten sich eigens erkundigen, ob auf eine Rechnung verzichtet wird - vermutlich nicht!
2) Es wird von der Begrenzung auf eine "Woche" gesprochen.
Richtig ist, das diese Hautkrebsvorsorge zu jedem Zeitpunkt erbracht werden kann, sofern das Intervall zu vorangegangenen Untersuchungen eingehalten wird.
3) Es wird erwähnt, dass sich 38.000 Ärzte Hautkrebs-Vorsorge betreiben.
Ergänzend ist zu sagen, dass diese Hautkrebs-Vorsorge seit Jahren auch von Allgemeinärzten / Allgemeinärztinnen in ganz Deutschland erbracht wird und weiterhin erbracht wird.
4) Es wird behauptet, dass "Hautkrebs die weltweit am häufigsten auftretende Krebserkrankung" sei.
Diese Zahl kommt nur durch einen statistischen Etikettenschwindel zustande. Dieser entsteht dadurch, dass eine Hautveränderung, die praktisch nie Metastasen macht und praktisch nie tödlich endet (das "Basaliom") in diese Berechnung einbezogen wird. Richtig ist, dass das tatsächlich gefährliche Maligne Melanom ("Schwarzer Hautkrebs") lediglich für 1 % der deutschen Krebstodesfälle verantwortlich ist. Das Maligne Melanom tritt jährlich mit einer Häufigkeit von etwa 1 auf 10.000 Einwohner auf. Zum Vergleich: an Krebsfällen insgesamt gibt es 200 auf 10.000 Einwohner.
5) Es wird behauptet, dass "statistisch gesehen jeder 8. Deutsche an Hautkrebs" erkrankt.
Auch diese Zahl kommt dadurch zustande, dass das Basaliom den Krebserkrankungen zugerechnet wird. Eine Krankheit, an der man nicht sterben kann, die sich auch nicht in den Köper verbreiten kann sollte man nicht irreführend den echten Krebserkrankungen zurechnen.
6) Das "preisgekrönte" Plakat der Aktion trägt den Titel: "Die Sonne hat auch Schattenseiten". Ein anderes Plakat (Paltz 2) suggeriert einen schützende Wirkung von Sonnencreme.
Mit diesen plakativen Aussagen wird das falsche Klischee bedient, dass die Sonne schuld am Maligenen Melanom sei und Sonnencreme davor schützen könne. Tatsache ist, dass trotz steigender Verwendung von Sonnencreme die Zahl der Malignen Melanome sogar ansteigt. Bekannt ist auch, dass Sonnencreme eine schwerwiegende Nebenwirkung hat: Durch diese Blockade der Sonnenstrahlen wird der natürliche Krebsschutz auf der Basis von Vitamin D verhindert. Will man den natürlichen Krebsschutz durch Vitamin D erhalten ist eine (cremefreie) Besonnung anzustreben. Die Dosis sollte von je nach Hauttyp von 1 bis 6 auf etwa 5 bis 30 Minuten Sonne begrenzt werden. Empfindliche Menschen sollten zuvor ein Vitamin D-Setup erhalten, um die Haut von innen gegen Sonnenallergien zu schützen.
Durch die lückenlose Verwendung von Sonnencreme garantiert keineswegs eine Minderung des Hautkrebsrisikos. Im Gegenteil: die biochemische Unterdrückung der Hautrötung durch Sonnencremes ist eine Verführung zu einer unkritischen Verlängerung der Sonnenexposition.
Hintergrund-Informationen zum heißen Thema "Sonne & Krebs"
Wenn das Klischee "Sonne = schwarzer Hautkrebs" zutreffen würde, dann wäre die durch Sonne bewirkte Vitamin D-Bildung in der Haut ein Risikofaktor für das Maligne Melanom. Dann wäre ein hoher Vitamin D-Spiegel der Vorbote des Schwarzen Hautkrebses.
Die hier dargestellte wissenschafltiche Studie mit über 5000 Patienten kommt zum gegenteiligen Ergebnis. Bei hoher Sonnebestrahlung ist das Hautkrebs-Risiko vermindert. In der Gruppe mit den besten Vitamin D-Werten wurde ein auf 53 % vermindertes Hautkrebs-Risiko gefunden. Erklärbar wird dies durch die krebsschützenden Eigenschaften von Vitamin D.
Selbst wenn ein Malignes Melanom entstanden ist hat Vitamin D günstige Effekte. Ein ungüstiger Krankheitsverlauf ist nämlich signifikant mit niedrigem Vitamin D-Spiegel verknüpft. (Quelle: PMID: 19667163)
Offenbar ist es so, dass unsere Haut auf beide Extremformen der Behandlung mit Hautkrebs reagiert: Sowohl eine völlige Abschirmung mittels Sonnencreme als auch eine stundenlange Exposition ohne Kleidung sind gleichermaßen abzulehnen. Mit einigen Minuten Mittagssonne fühlen sich die Hautzellen am wohlsten. Hier gilt die Zifferblattregel für Besonnungszeiten (siehe VitaminDelta), meine praktische Merkhilfe, abgeleitet von den Besonnungstabellen von Prof. Michael Holick.
Unsere neue Studie zeigt, dass in Deutschland im Zusammenhang mit niedrigen Vitamin D-Spiegeln mit einer um etwa 20 % gesteigerten 10-Jahres-Sterblichkeit zu rechnen ist. Das bedeutet, dass umgekehrt bei einer ausreichenden Vitamin D-Versorgung die 10-Jahres-Sterblichkeit um mehr als 20 % zurückgehen würde. (Zittermann A, von Helden R, et al.)
Hautkrebs-Früherkennung ist sinnvoll, aber Hautkrebs ist nicht das größte Todesrisiko des Menschen. Besonders tragisch wäre es, wenn Menschen aus einer unbegründeten Angst vor der Sonne einer erhöhten Sterblichkeit durch Vitamin D-Mangel ausgesetzt würden.
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